Mit unserem Format „RÜSNAH 360“ wollen wir nicht nur zeigen, was unsere Stadt besonders macht. Wir wollen auch darüber sprechen, wie Rüsselsheim sich weiterentwickeln kann.
Ein Thema spielt dabei eine immer größere Rolle: leerstehende Flächen.
Vor wenigen Tagen haben wir bereits darüber geschrieben, warum Leerstand in der Rüsselsheimer Innenstadt nicht zur Normalität werden darf. Gerade an prominenten Stellen wie dem Marktplatz können dauerhaft dunkle Schaufenster das Bild eines ganzen Bereichs verändern.
Doch zwischen Leerstand und einer langfristigen neuen Nutzung gibt es noch eine Möglichkeit, über die aus unserer Sicht häufiger gesprochen werden sollte:
Zwischennutzungen.
Nicht jede leerstehende Ladenfläche findet innerhalb weniger Wochen einen neuen Mieter. Nicht für jedes Gebäude gibt es sofort ein fertiges Konzept.
Das ist Realität.
Aber eine Fläche muss deshalb nicht automatisch Monate oder sogar Jahre geschlossen bleiben.
Warum nicht für einige Wochen oder Monate einem Verein Räume zur Verfügung stellen? Warum nicht eine Ausstellung ermöglichen? Einen Pop-up-Laden? Ein kleines Kulturprojekt? Einen Treffpunkt für Initiativen? Einen Raum für junge Künstlerinnen und Künstler oder lokale Gründer?
Nicht alles davon wird dauerhaft funktionieren.
Das muss es auch nicht.
Der entscheidende Punkt einer Zwischennutzung ist gerade, dass sie nicht für die Ewigkeit gedacht ist.
Sie kann ausprobieren, was an einem Ort funktioniert.
Sie kann Menschen anziehen.
Sie kann zeigen, welches Potenzial in einer Fläche steckt.
Und sie kann verhindern, dass sich Leerstand im Stadtbild festsetzt.
Gerade für die Innenstadt könnte das wichtig sein.
Denn eine lebendige Innenstadt entsteht nicht allein dadurch, dass jedes Ladenlokal möglichst schnell wieder langfristig vermietet wird. Sie entsteht dort, wo Menschen Gründe haben, hinzugehen und zu bleiben.
Dazu gehören Handel und Gastronomie.
Aber ebenso Kultur, Begegnung, Veranstaltungen, Vereine und neue Ideen.
Genau hier könnten Zwischennutzungen einen Unterschied machen.
Natürlich gibt es dabei Hürden.
Eigentümer müssen mitmachen. Versicherungsfragen müssen geklärt werden. Brandschutz, Genehmigungen und Kosten verschwinden nicht einfach, nur weil eine Nutzung zeitlich begrenzt ist.
Trotzdem darf die Antwort darauf nicht lauten: Dann lassen wir die Räume eben leer.
Stattdessen braucht es Strukturen, die solche Projekte einfacher machen.
Die Stadt könnte Eigentümer und Interessenten stärker zusammenbringen. Sie könnte geeignete Flächen sichtbar machen, Ansprechpartner benennen und dabei helfen, bürokratische Fragen zu klären.
Nicht als Betreiber jedes einzelnen Projekts.
Sondern als Vermittler.
Denn genau darin könnte modernes Leerstandsmanagement liegen: nicht darauf zu warten, dass irgendwann die perfekte Lösung kommt, sondern in der Zwischenzeit Möglichkeiten zu schaffen.
Dabei geht es auch um Mut.
Eine Zwischennutzung kann scheitern.
Ein Pop-up-Konzept kann nach einigen Monaten wieder verschwinden. Eine Ausstellung wird vielleicht nur einige Wochen besucht. Ein Projekt funktioniert möglicherweise anders als gedacht.
Aber auch daraus kann eine Stadt lernen.
Vielleicht entdecken Menschen eine Fläche neu. Vielleicht entsteht aus einem temporären Angebot etwas Dauerhaftes. Vielleicht zeigt sich, welche Nutzung an einem bestimmten Standort gerade nicht funktioniert.
Stillstand liefert diese Erkenntnisse nicht.
Leerstand schon gar nicht.
In unserem vorherigen Beitrag haben wir geschrieben: Entscheidend ist nicht, dass jede Fläche sofort wieder genauso genutzt wird wie zuvor.
Entscheidend ist, dass etwas passiert.
Genau deshalb sollte Rüsselsheim bei Zwischennutzungen mutiger werden.
Nicht jede Idee muss perfekt sein.
Nicht jedes Projekt muss bleiben.
Aber eine Stadt, die Neues ausprobieren möchte, muss auch Räume dafür schaffen.
Und vielleicht beginnt eine langfristig gute Idee manchmal genau dort, wo zunächst nur eine vorübergehende Lösung geplant war.
Welche Zwischennutzung würden Sie sich für leerstehende Flächen in Rüsselsheim wünschen? Kultur, Vereine, Gastronomie, Pop-up-Geschäfte oder etwas ganz anderes?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung.
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