Mit „Rüsselsheim 365“ wollen wir nicht nur zeigen, was unsere Stadt besonders macht. Wir wollen auch über die Dinge sprechen, die sich verändern müssen.
Der Leerstand in der Innenstadt gehört dazu.
Besonders sichtbar ist das derzeit am Marktplatz. Dort steht die frühere Filiale der Deutschen Bank leer. Es geht um eine prominente Fläche mitten im Zentrum – rund 260 Quadratmeter im Erdgeschoss und noch einmal etwa 260 Quadratmeter im ersten Stock. Der Mietvertrag läuft nach bisherigen Angaben noch bis Ende 2027.
Man kann so etwas als normalen Wandel betrachten. Geschäfte schließen, Banken ziehen sich aus Innenstädten zurück, Nutzungen verändern sich. Das passiert überall.
Aber genau darin liegt die Gefahr.
Wenn Leerstand als etwas Unvermeidliches hingenommen wird, verändert sich eine Innenstadt schleichend. Erst bleibt eine Fläche leer. Dann eine zweite. Schaufenster bleiben dunkel, Wege werden weniger attraktiv, Aufenthaltsqualität nimmt ab. Irgendwann gewöhnen sich alle daran.
Das darf nicht passieren.
Gerade am Marktplatz geht es nicht um irgendeine Randlage. Es geht um einen Ort, der das Bild der Innenstadt prägt. Eine solche Fläche sollte nicht jahrelang ohne Perspektive bleiben.
Natürlich kann eine Stadt private Eigentümer nicht einfach zu einer bestimmten Nutzung zwingen. Aber sie kann moderieren, Kontakte herstellen, Ideen anstoßen und Zwischennutzungen ermöglichen.
Und genau das sollte sie tun.
Denn Leerstandsmanagement bedeutet nicht, dass das Rathaus selbst jedes Geschäft betreiben muss. Es bedeutet, Verantwortung für die Entwicklung des Zentrums zu übernehmen.
Interessant ist, dass für die Räume offenbar unterschiedliche Nutzungen denkbar wären. Büros, Gastronomie oder nach einem Umbau sogar Wohnen – die Fläche bietet Spielraum. Umso wichtiger ist es, diesen Spielraum auch zu nutzen.
Vielleicht liegt darin sogar eine Chance.
Innenstädte müssen heute nicht mehr so aussehen wie vor 20 Jahren. Banken, klassische Einzelhandelsfilialen und große Ketten werden nicht automatisch zurückkehren. Neue Konzepte können deshalb wichtiger werden: kleinere gastronomische Angebote, Kultur, Dienstleistungen, gemeinschaftliche Nutzungen, temporäre Projekte oder eine Mischung daraus.
Entscheidend ist nicht, dass jede Fläche sofort wieder genauso genutzt wird wie zuvor.
Entscheidend ist, dass etwas passiert.
Rüsselsheim braucht eine Innenstadt, in der Menschen einen Grund haben, sich aufzuhalten – nicht nur eine, durch die sie auf dem Weg von A nach B hindurchgehen.
Dazu gehören Geschäfte. Aber eben auch Cafés, Veranstaltungen, Kultur, Begegnungsorte und ungewöhnliche Ideen.
Wer möchte, dass der Marktplatz lebendig bleibt, darf deshalb nicht erst reagieren, wenn sich Leerstand verfestigt hat.
Die frühere Bankfiliale ist nur eine einzelne Immobilie. Gleichzeitig steht sie beispielhaft für eine größere Frage:
Wie soll die Rüsselsheimer Innenstadt in Zukunft aussehen?
Darüber sollte nicht erst gesprochen werden, wenn die nächsten Schaufenster dunkel bleiben.
Rüsselsheim 365 heißt für uns auch, genau hinzuschauen: auf das, was gut läuft – und auf das, was besser werden kann.
Leerstand wird es immer geben.
Zur Normalität werden darf er nicht.
Wie erleben Sie die Rüsselsheimer Innenstadt? Welche Nutzung würden Sie sich für leerstehende Flächen wünschen?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung.
Rüsselsheim 365 – jeden Tag ein Stück Stadt.
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